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ESG und Lieferkettenpflichten: das Haftungsfeld, das die Geschäftsleitung selbst betrifft

Kaum ein Regelungsbereich ist so in Bewegung wie die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Lieferkettensorgfalt. Wer als Geschäftsführer darauf wartet, dass sich der Rechtsrahmen stabilisiert, übersieht den haftungsrechtlichen Kern: Nicht die Vorschrift begründet Ihre Haftung, sondern Ihre Pflicht, das Unternehmen auf erkennbare Pflichten einzustellen.

Ein Rechtsrahmen im Umbau

Berichtspflichten nach der CSRD, Sorgfaltspflichten in der Lieferkette und die europäischen Vereinfachungsvorhaben verändern seit 2024 fortlaufend Schwellenwerte, Fristen und Prüfumfänge. Für die Praxis heißt das: Der konkrete Pflichtenkatalog Ihres Unternehmens kann sich innerhalb eines Geschäftsjahres verschieben, und zwar in beide Richtungen.

Prüfen Sie den jeweils aktuellen Stand daher immer fachlich – steuerlich, rechtlich und mit Blick auf Ihre Größenklasse. Dieser Beitrag beschreibt nicht den Regelungsstand, sondern das Haftungsmuster, das unabhängig davon wirkt.

Das Haftungsmuster

Organhaftung entsteht in diesem Feld selten aus einem falschen Nachhaltigkeitsbericht. Sie entsteht aus drei anderen Wegen:

  1. Legalitätspflicht. Die Geschäftsleitung muss sicherstellen, dass das Unternehmen geltendes Recht einhält. Wird eine anwendbare Pflicht nicht umgesetzt und entsteht daraus ein Bußgeld, ein Auftragsverlust oder ein Ausschluss von einer Vergabe, ist das ein Schaden der Gesellschaft.
  2. Organisationspflicht. Erkennbar anwendbare Anforderungen verlangen Prozesse, Zuständigkeiten und Dokumentation. Wer keine Zuständigkeit festlegt, kann sich später nicht auf die Zuständigkeit anderer berufen.
  3. Informationspflicht gegenüber Vertragspartnern. Kunden, Banken und Investoren verlangen Zusagen zu Nachhaltigkeitskriterien. Unzutreffende Angaben in Verträgen oder Finanzierungsunterlagen begründen Ansprüche Dritter – mit unmittelbarer Wirkung auf das Organ.

Wo die Ansprüche konkret auftreten

  • Vergabeausschluss. Ein Zulieferer kann Nachweise zur Lieferkette nicht erbringen und verliert einen Rahmenvertrag. Die Gesellschafter fragen, warum die Anforderung bekannt war und nicht umgesetzt wurde.
  • Finanzierungsklauseln. Kreditverträge enthalten zunehmend Nachhaltigkeitszusagen. Deren Verletzung führt zu höheren Margen oder Kündigungsrechten – ein messbarer Schaden.
  • Wettbewerbsrechtliche Angriffe. Werbeaussagen zur Klimaneutralität werden von Wettbewerbern und Verbänden angegriffen. Unterlassung und Rückruf von Verpackungen kosten unmittelbar Geld.
  • Aufsichts- und Bußgeldverfahren. Neben dem Unternehmen gerät die verantwortliche Person in den Blick – hier greift der Manager-Strafrechtsschutz.

Vier Schritte, die unabhängig vom Regelungsstand tragen

Betroffenheit feststellen und datiert dokumentieren; eine Zuständigkeit im Unternehmen benennen; Nachweise entlang der Lieferkette sammeln, bevor Kunden sie verlangen; jede Aussage mit Außenwirkung vor der Veröffentlichung prüfen lassen. Das ist genau die Dokumentation, die im Haftungsfall die Business Judgement Rule greifen lässt.

Was die D&O-Versicherung hier leistet

Versicherbar ist der Vermögensschaden der Gesellschaft oder eines Dritten, der aus einer Pflichtverletzung der Geschäftsleitung folgt – also der entgangene Auftrag, die erhöhte Finanzierungsmarge, die Kosten eines Verfahrens. Nicht versicherbar sind persönliche Bußgelder; deren Verteidigungskosten sind es.

Zwei Punkte prüfen wir bei Mandaten mit ESG-Bezug besonders: dass Ansprüche wegen Verstößen gegen Berichts- und Sorgfaltspflichten nicht pauschal ausgeschlossen sind, und dass die Deckung auch Verfahren umfasst, die von Verbänden oder Behörden angestoßen werden.

Ihr nächster Schritt

Ob Ihre bestehende Police diesen Fall abdeckt, lässt sich in einem kurzen Gespräch klären. Wir sehen Verträge auch dann durch, wenn sie nicht über uns abgeschlossen wurden.

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