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D&O-Versicherung im Familienunternehmen: braucht der Gesellschafter-Geschäftsführer sie wirklich?

Familienunternehmen stellen die Frage nach der D&O-Versicherung anders als Kapitalgesellschaften mit Fremdmanagement. Der Einwand klingt schlüssig: Wenn Gesellschafter und Geschäftsführung dieselbe Person sind, fehlt der Kläger. In der Praxis entstehen die Ansprüche jedoch genau dort, wo die Familienkonstellation sich verändert – bei der Nachfolge, im Gesellschafterstreit und in der Insolvenz.

Das Gesetz unterscheidet nicht nach Eigentum

§ 43 GmbHG gilt für jeden bestellten Geschäftsführer, unabhängig davon, ob er Anteile hält. Auch der geschäftsführende Alleingesellschafter schuldet der Gesellschaft die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns. Die Gesellschaft ist ein eigenes Rechtssubjekt mit eigenem Vermögen – und dieses Vermögen ist gegen ihre Organe geschützt, auch gegen den Eigentümer.

Solange alle Beteiligten einverstanden sind, wird dieser Anspruch nicht geltend gemacht. Das ändert sich, sobald jemand anderes über die Gesellschaft bestimmt.

Konstellation 1: Die Nachfolge

Mit dem Generationswechsel treten neue Gesellschafter ein: Kinder, Ehepartner, Stiftungen, gelegentlich externe Investoren. Sie bewerten Entscheidungen der Vorgängergeneration nach aktuellen Maßstäben – etwa eine Immobilie, die der Senior aus Überzeugung gehalten hat, oder eine Beteiligung, die nie Ertrag gebracht hat.

Der Anspruch richtet sich dann gegen den früheren Geschäftsführer, häufig im Rentenalter, ohne Zugriff auf die Unterlagen und ohne eine Police, die nach dem Ausscheiden noch trägt. Deshalb ist die Nachmeldefrist im Familienunternehmen das wichtigste Vertragsdetail – oder gleich die persönliche D&O-Versicherung.

Konstellation 2: Der Gesellschafterstreit

Geschwister, Stämme, Ehepartner nach einer Trennung: Wo mehrere Familienzweige beteiligt sind, wird die Geschäftsführung zum Streitgegenstand. Typische Vorwürfe sind eine überhöhte Geschäftsführervergütung, Geschäfte mit nahestehenden Personen, fehlende Gesellschafterbeschlüsse und Entnahmen ohne Grundlage.

Solche Verfahren sind für die D&O-Versicherung besonders relevant, weil sie fast immer als Innenhaftung geführt werden – und weil sie lange dauern. Der größte Teil der Leistung besteht hier aus Verteidigungskosten.

Konstellation 3: Der Insolvenzverwalter

Er ist der häufigste Anspruchsteller überhaupt und der einzige, der die Familienrücksicht nicht kennt. Mit der Eröffnung des Verfahrens geht die Befugnis, Ansprüche der Gesellschaft geltend zu machen, auf ihn über. Was vorher einvernehmlich geregelt war, wird jetzt geprüft: Zahlungen in der Krise, Darlehen an Gesellschafter, Sicherheitenbestellungen, der Zeitpunkt des Insolvenzantrags.

Entlastung durch Gesellschafterbeschluss – mit einer Grenze

Eine Weisung oder Zustimmung der Gesellschafter kann den Geschäftsführer entlasten. Sie wirkt jedoch nicht, wenn die Maßnahme rechtswidrig ist, das Stammkapital angreift oder die Gesellschaft bereits insolvenzreif war. Genau in der Krise – wenn die Entlastung gebraucht würde – trägt sie also nicht mehr.

Was wir Familienunternehmen empfehlen

  • Firmenpolice für den gesamten Organkreis, einschließlich Beirat und Aufsichtsgremium, falls vorhanden.
  • Lange Nachmeldefristen, abgestimmt auf die fünfjährige Verjährung – besonders vor einem geplanten Generationswechsel.
  • Persönliche Deckung für die Übergabegeneration, weil ihre Verantwortung endet, die Firmenpolice aber von den Nachfolgern verwaltet wird.
  • Dokumentierte Beschlüsse bei Geschäften mit nahestehenden Personen. Das ist der Punkt, an dem Verfahren regelmäßig kippen.

Der Beitrag für eine mittelständische Familiengesellschaft bewegt sich in derselben Größenordnung wie bei vergleichbaren Unternehmen mit Fremdgeschäftsführung – die Beitragsfaktoren sind dieselben.

Ihr nächster Schritt

Ob Ihre bestehende Police diesen Fall abdeckt, lässt sich in einem kurzen Gespräch klären. Wir sehen Verträge auch dann durch, wenn sie nicht über uns abgeschlossen wurden.

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